Der 17-jährige Kais Qariezada besucht die gymnasiale Oberstufe der IGS Hamm/Sieg. In diesem Sommer wurde er voller Stolz gemeinsam mit dem U19-Team (German Football League Juniors) der Cologne Crocodiles Deutscher Jugendmeister. Im Interview erzählte er, was der Sport für ihn bedeutet.

American Football darf landläufig sicherlich noch als eher unbekannte Sportart gelten. Wie bist du dazu gekommen?
An der IGS Hamm/Sieg! Ein ehemaliger Teamkollege sprach mich an. Er ging auch hier an die Schule, meinte ich hätte die richtige Statur und nahm mich mit zum Windecker Verein Giborim. Mich faszinierte der Sport sofort, weil er so anders ist. Obwohl ich bei den Windeckern den Spaß an diesem Sport entdeckte und mich im Verein sehr wohlfühlte und engagierte, wollte ich mich weiterentwickeln und auch Tackle (Angriffe) in einem Team aus 11 Spielern spielen. Ich wechselte nach Troisdorf und schließlich zu den Cologne Crocodiles.

Was fasziniert dich besonders am Football?
Der Kontakt und das Spiel mit vollem Körpereinsatz. Das Team hält enger zusammen als beim Fußball wie eine Familie. Wir trainieren gemeinsam in den verschiedenen Seasons sehr hart und schwitzen, bis wir nicht mehr können. Bei den Spielen in der Regular-Season und in der Playoffphase pushen wir uns zu Beginn der Spiele und geben gegen andere Vereine alles.

Erfolgreiche Spiele, wie du sie mit den Cologne Crocodiles erlebst, setzen also ein anstrengendes Training voraus. Wie bekommst du Schule und Sport unter einen Hut?
Ich bin ein recht smarter Schüler und kann mir vieles im Unterricht merken. Wenn ich zum Training fahre, sitze ich zwei Stunden in der S-Bahn, dann noch die Rückfahrt und das mehrmals in der Woche. Die Zeit im Zug nutze ich für Hausaufgaben, zum Lernen, zum Durchlesen des Unterrichtsstoffs. An langen Schultagen wird zu Hause nur die Tasche gewechselt und es geht weiter nach Köln, bis ich 0 Uhr wieder zu Hause bin. Das ist schon hart. Aber die Disziplin ist gewachsen.

Am 24.08.2019 holte dein Team beim Junior Bowl der German Football League der Junioren den Titel. Wie war das?
Der Junior Bowl ist die wichtigste Veranstaltung im ganzen Jahr, auf die wir hinarbeiten. Dieses Jahr war ich das erste Mal im U19-Team (Jahrgänge 2000-2002) dabei. Ich spiele in der Position des Runningback. Wir hatten während der ganzen Spiele eine gute Offensive und eine gute Defensive und konnten im Finale Wiesbaden mit 57:18-Punkten schlagen.

Hast du schon Pläne für später? Soll es im Hobby- oder Profisport weitergehen?
In den nächsten beiden Jahren will ich in der U19-Mannschaft weiterspielen. Ob ich danach erst einmal Pause mache, ins zweite Team zurückgehe, mich im Bereich Training engagiere oder in die Herrenmannschaft wechsle, weiß ich noch nicht genau. Zwischenzeitlich war ich sogar kurz mit der Auswahlmannschaft in Amerika. Es gab Überlegungen, eine Zeit lang dort zu bleiben, weil sich in sportlicher Hinsicht noch andere Möglichkeiten eröffnen könnten. Aber vorerst steht meine Entscheidung in Deutschland, aber auch dem Sport treu zu bleiben, weil er gut zu mir passt.

Was würdest du anderen raten, die sich auch für American Football interessieren? Was muss man mitbringen?
Man muss bereit sein körperlichen Kontakt einzustecken. Vor allem sind auch mentale Vorbereitung und Stärke, aber auch Motivation wichtig. Ein Footballer muss Selbstbewusstsein entwickeln und denken: Ich zeig‘ dir jetzt mal, wo es lang geht!

Das Interview führten Andrea Brambach-Becker und Diana Hedwig.

Fotos: Diana Hedwig

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